Open Noise Festival 2023

Protestmusik – ein Interplay hochkultureller Kunst und der Postmoderne des Punk und Hardcore

Beim Open Noise Festival kommen Künstler*innen der Hochkultur und Postmoderne in einem innovativen und unkonventionellen Konzept für ein Publikum jeden Alters, Geschlechts und jeder Ethnie zusammen.

Das Interplay als wechselwirkendes Zusammenspiel von hochkultureller Kunst und populärmusikalischer Postmoderne ermöglicht dem Publikum einen neuen Zugang zu Klang, Sprache und Tanz, in Form einer konträren Verbindung der artifiziellen Kunst mit der Sub- und Protestkultur der Postmoderne. Hierbei wird die Postmoderne im Sinne des Musikwissenschaftlers Jörg Mischke verstanden, der eine deutlich gewachsene „Pluralität gewachsener Denk- und Handlungsmöglichkeiten“ in der Musik sieht, die mit der „Pluralisierung von Lebensstilen“ einhergeht.

Die Subkulturen des Rock – Hardcore und Punk – werden dabei nicht nur als Musikrichtung und jugendkulturelle Bewegung verstanden, sondern auch in ihren Formen und Spielarten des Protestes. Dieser zeigt sich maßgeblich im musikalischen experimentellen Ausdruck, weiterhin findet sich dieser auch in den genreübergreifenden Gattungen wie Tanz, Literatur, visueller und auditiver Kunst, bis hin zu einer ganzheitlichen Lebensführung.

Ein Protest, der durch Provokation versucht, sich vonvorhergehenden Generationen oder Institutionen abzuheben und sich durch andere, neue Musik ausdrückt. Was hier in den entstehenden Werken manifestiert wird, spiegelt sich im gesellschaftskritischen Slogan der Punkbewegung "no future" wieder, welcher vor allem die in der heutigen Zeit stetig wachsende Zukunftsangst und eine damit einhergehende Verweigerung gegenüber den (An-)Forderungen der Gesellschaft repräsentiert.

Das Festival untersucht, inwieweit „Protest“ und „Provokation“ als Motor und Motivator des kompositorischen Schaffensprozesses sowie in der experimentellen Musik anzusehen sind und wie sehr diese im Bereichder Postmoderne des Punk und Hardcore im Gegensatz oder im Einklang zur Hochkultur wahrgenommen werden können.

Bei dieser Betrachtung steht die Rolle des Interpreten im Mittelpunkt, insbesondere da sein Anteil an dem künstlerischen Endergebnis immer signifikanter zu werden scheint, so dass er zumeist nicht mehr austauschbar wäre, ohne dass ein anderes Stück Musik entsteht. Eine nachhaltige Konsequenz daraus ist die Bildung von Gruppen – wie in der Rockmusik – als eine kollektive Einheit von Komponist, Arrangeur, Texter, Interpret, Techniker und Management. In solchen Organisationsformen musikalischer Praxis liegt eine Vielzahl neuer Möglichkeiten des Musizierens, die mit der Verbindung von Musik und Technik, der Erschließung neuer klanglicher Ausdrucksmöglichkeiten für die Musik, auf die gemachten individuellen Erfahrungen und daraus hervorgehenden neuen Inhalte des Musizierens, mit ihrer Verankerung in der Erlebniswelt und neuartigen Umgangsweisen mit Musik im Alltag verbunden sind.

Das Programm des Festivals umfasst zahlreiche Musikdarbietungen, zwei Vorträge und zwei Lesungen mit anschließenden Diskussionsrunden, eine Tanz-Darbietung, Klangkunst eines Soundwalkers sowie Installationen und Projektionen eines Visualkünstlers. Weitere Kunstformen wie Kabarett und Kleinkunst sind nicht ausgeschlossen.

Alle mitwirkenden Künstler*innen offenbaren hinsichtlich ihres musikalischen Werkes, Ausdrucks und ihrer Interpretation individuelle musikalische Visionen und Aspekte von Experimentalität sowie Aspekte von Protest und Provokation.

Die Programmpunkte symbolisieren unter dem Titel „Open Noise“ Hybridität und Offenheit gegenüber den genannten divergenten Kulturformen, deren Werke und deren Interpretationen im Hinblick auf Aufnahme, Auffassung, Reaktion und den daraus folgenden Durchmischungsprozess.

Der interdisziplinäre kooperative Nutzen für die Mitwirkenden und Festivalbesucher findet in der koordinierten Erfahrung und im Austausch zu den Methoden und Denkweisen der konträren Kunststile, ihrer Ausdrucksfähigkeit und in ästhetischen Erlebnissen statt. Hierbei trägt die übergreifende Zusammenarbeit zum Verständigungsprozess selbst bei.